Erfahrungen mit der Nachzucht von Amphiprion ocellaris
Text und Fotos: Jürgen Brei, Marineaquarium Messel
In einem bekannten deutschen aquaristischen
Fachmagazin wurde bekanntgegeben, daß die Meeresaquaristik in Deutschland
immer mehr Anhanger gewinnt und immer öfter das Verlangen bei den
jeweiligen Redaktionen eingeht, aktuelle meeresaquaristische Themen zu
veröffentlichen.
Wenn man diese Entwicklung mit verhaltenem Enthusiasmus zur Kenntnis
nimmt, bleiben Hoffnung und Wunsch. Ja, ich möchte sogar als eine
wichtige Forderung bewerten, daß sich die Betreiber eines Miniriffs
mit äußerstem Engagement bemühen, dieses Stück ,,Natur
daheim" zu erhalten und zu vermehren. Nur aus der ernsten Verwirklichung
dieser Forderung entstehen tatsächliche Gewinne für das Leben
im ,,geschlossenen System" Aquarium sowie für das,,hochempfindliche
Ökosystem" Korallenriff. Diejenigen Aquarianer, ob Süß-und/oder
Meerwasser-Besessene unter Ihnen liebe Leser, die ihre aquaristische Tätigkeit
als (Hobby)-Wissenschaftler betreiben, haben der Forschung und Entwicklung
auf diesem Gebiet bereits grosse Dienste geleistet. Bitte hören Sie
nicht auf, Ihren Aquarienfreund zu animieren und ihn, mit dem Hinweis auf
das außergewöhnliche Erlebnis, zu bitten:,Versuch's doch auch
einmal"!
Die Zucht
Anemonenfische und ihre Anemonen gehören
seit langem mit zu den beliebtesten Aquarienbewohnern. Ihr Symbioseleben
mit den z. T. prachtvollen farbigen Anemonen, die schaukelnden Bewegungen
sowie ihr ,,clowneskes" Verhalten in ihrem Territorium, machen sie so außerordentlich
populär und faszinierend. Im Rahmen dieses kleinen Artikels können
nicht alle Anemonenfische und deren Wirte beschrieben werden. Das Ablaich-
und Brutpflegeverhalten unter-scheidet sich bei den einzelnen Amphiprion
- Arten auch nur geringfügig.
Die Auswahl des Zuchtpaares
Das Aussuchen der Tiere für unsere
Zucht ist relativ einfach. Sofern wir nicht das Glück haben, ein geschlechtsreifes
Paar erwerben zu können. besorgen wir uns von Amphiprion ocellaris
ein größeres und ein kleineres Fischchen. Da alle Anemonenfische
als Männchen geboren werden, die dominanten und größeren
Tiere sich aber zum Weibchen entwickeln, ist bei unserem Auswahlverfahren
die Wahrscheinlichkeit, ein später harmonisierendes Pärchen zu
besitzen, sehr gut. Zu unserem A. ocelIaris passen viele Wirtsanemonen,
z.B. Heteractis magnifica, Stichodactyla gigantea u.a. Ein 200 Liter-Aquarium
mit allen bekannten aquaristischen Anforderungen ist für unser Zuchtpaar
mit Anemone ausreichend.
Junge Tiere werden nach ca. 1 - 11/2 Jahren geschlechtsreif.
Bei bereits erwachsenen Amphiprion vergehen nach meinen Beobachtungen bis
zu den ersten Ablaichvorbereitungen unter guten Bedingungen etwa 4-6 Monate.
In dieser Zeit müssen die Tiere bestens mit einem abwechslungsreichen
Menüplan bekannter Frostfuttersorten versorgt werden.
Da das Eltern-Ablaichbecken natürlich mit Filterung, Bodengrund
und Strömung normal ausgestattet ist, das aber den Jungfischen ganz
und gar nicht zuträglich ist (die Brut vonA. ocellaris verträgt
keinerlei Wasserströmung), muß ein sog. Schlüpfbecken mit
einem Volumen von ca. 100 Liter vorbereitet werden. Dieses enthält
zunächst gar nichts, außer einer entsprechenden Heizung und
Licht (über eine Schaltuhr gesteuert). Die Möglichkeit, das Becken
komplett rundherum abzudunkeln, z.B. mit schwarzem Fotokarton o. ä.
brauchen wir ebenfalls. Desweiteren einen Ausströmerstein mit Schlauch
und eine kleine Membranpumpe.
Die Kultur von Phyto- und Zooplankton
Gute Amphiprion-Zuchtpaare laichen über
längere Zeit im 10-14 Tage-Rhythmus ab. Zur Fütterung der Jungfische
werden während der ersten 6-10 Tage nicht unerhebliche Mengen Plankton
gebraucht. Das Phytoplankton (grünes Wasser) besteht aus der winzigen
einzelligen Dunaliella-Alge. Dieses Plankton wird von den ebenfalls winzigen
Zooplankton-Organismen Brachionus gefressen, und von ihnen wiederum ernähren
sich unsere geschlüpften Anemonenfische, bis sie in der Lage sind,
Artemianauplien zu verdauen.
Die Schwierigkeit mit den Planktonkulturen besteht zu Beginn darin,
zum richtigen Zeitpunkt die Kulturen in ausreichender Menge zur Verfügung
zu haben. Aber das ist alles Übungssache. Ein entscheidender Faktor
beim Phytoplankton ist das Licht. Dauerlicht (24 h) mit einem Tageslichtspektrum
z.B. OSRAM-Leuchtstoffröhren Lichtfarbe 11 oder 12. Auch HQL-Strahler
sind gut geeignet. Für ein ca. 5 DM-Stück großes Gelege,
welches etwa 200 - 300 Jungfische enthalten kann, werden in den genannten
ersten 6 - 10 Tagen zwischen 40 - 60 Liter Plankton von jeder Sorte benötigt.
Tägliche Planktonzugabe (Brachionus) ins Aufzuchtbecken ca. 3 x 2
Liter je nach Larvendichte. Die Tiere müssen praktisch immer im Futter
stehen. Entsprechende Glasbehälter mit o.g. Volumen sollten Sie für
die Kultur zur Verfügung haben. Planktonansätze (jeweils 1 Liter)
reichen zu Beginn aus; allerdings sind diese Ansätze nicht immer so
einfach zu beschaffen. Entsprechende Anfragen im Zoofachhandel, bei Züchtem
oder Zoos werden nötig sein. Sollten Ihre Bemühungen ohne Erfolg
bleiben, würde ich selbst versuchen, Ihnen liebe Leser/innen behilflich
zu sein.
Folgende Praktik der Planktonkultur hat sich bei mir
bewährt
Vier Ganzglasbecken mit den Maßen
60 x 40 x 40 cm werden etwa 10 cm hoch mit Meerwasser doppelten Salzgehaltes
gefüllt, mit 1 Liter Algenkultur versetzt und mit einem 80 Watt/HQL-Strahler
24 Stunden beleuchtet. Bei diesem hohen Salzgehalt stirbt alles Zooplankton
ab, während sich das Phytoplankton weiterentwickelt. Nachdem diese
Kultur nach etwa einer Woche eine hellgrüne Farbe entwickelt hat (26°
- 30° C) wird das Becken mit Süßwasser aufgefüllt,
bis ein normaler Salzgehalt erreicht ist. Nun leicht belüften. Hat
durch weitere Entwicklung die Kultur eine sattgrüne Farbe angenommen,
wird der Ansatz Zooplankton zugegeben. Das Zooplankton (Brachionus) vermehrt
sich in wenigen Tagen zu einer hohen Dichte und kann dann z.B. mit einem
Meßbecher zum Verfüttern entnommen werden.
Amphiprion ocellaris: Hier hier sieht man die Elterntiere am frischen
Gelege
Wann ist es soweit
Gute Aquarianer/innen sind auch gute Beobachter/innen!
So werden Sie schnell am Verhalten Ihrer Fischchen merken, daß
,,etwas im Busch" ist. Stundenlang und gründlich wird der ausgesuchte
Ablaichplatz meist von beiden Partnern geputzt, bis sich dann beim Weibchen
die Legeröhre zeigt und sie gleitend nach und nach die Eier anheftet.
Abwechselnd besamt das Männchen das vorhandene Gelege und das Weibchen
legt wieder neue Eier hinzu. Das erste Gelege kann u.U. relativ klein sein,
bis die folgenden dann nach mehreren Bruten einen Durchmesser von 6 - 8
cm erreichen werden.
Mein Tip: Nehmen Sie das erste Gelege nicht heraus. Benutzen
Sie dieses, um Erfahrung zu sammeln; d.h. beobachten Sie, wie die Eltern
damit umgehen, wie die Embryonen sich in welchem Zeitrahmen entwickeln,
wann die Augen zu sehen sind und wie ihre Bewegungen kurz vor dem Schlupf
immer deutlicher und heftiger werden. Notieren Sie alles! Damit Sie bei
späteren Gelegen auch in der Lage sind, diese in das vorbereitete
Schlupfbecken zu überführen, stellen Sie einen flachen Stein,
Platte oder Fliesenstück vor die erste Ablaichstelle. Meistens nehmen
die Fische ihren Wunsch darauf abzulaichen an und Sie haben beim Umsetzen
dann keine Probleme.
Jetzt wird es spannend
Die zweite Laichabgabe prangt wunschgemäß
und lachsrot, 5 cm im Durchmesser auf der bereitgestellten Küchenfliese.
Schließlich haben wir ja die Erziehung im Griff. Nach 8-9 Tagen (27°
C) guter Pflege der Elterntiere wird es soweit sein. Die kleinen Fischchen
werden in der kommenden Nacht ca. 2 - 3 Stunden nach völliger Verdunkelung
des Beckens schlüpfen.
Vorher jedoch füllen Sie aus dem Ablaichaquarium so viel Wasser
in das Schlüpfaquarium, daß sich das Gelege mit der Platte senkrecht
stehend unter Wasser befinden wird. Vorsichtig muß nun das Gelege
ohne Luftkontakt, am besten in einem entsprechenden Behälter (Becher
der mit dem gleichen Wasser gefüllt ist), vom Ablaichbecken in das
Schlupfbecken überführt werden. Danach versorgen Sie behutsam
die Embryos mit Sauerstoff und zwar so, daß die Luftströmung
dicht am Gelege vorbeiführt, dieses aber nicht berührt. Diese
Sauerstoffversorgung verbleibt dann auch für die nächsten 4 -
6 Wochen grobperlig im Aufzuchtbecken.
Bitte installieren Sie an diesem Aquarium keine weitere Wasserbewegung
und auch keinen Filter.
Nun geben Sie noch, bevor das Becken abgedunkelt wird, aus ihren Planktonkulturen
je 1 Liter langsam in das Schlupfbecken. In der kommenden Nacht muß
unbedingt jede Störung an diesem Aquarium unterbleiben. Seien Sie
geduldig bis zum anderen Morgen. Schauen Sie bitte nicht neugierig nach,
ob evtl. schon ein paar Fischchen schwimmen. Nach meinen Erfahrungen schlüpfen
dann die Tiere gar nicht oder nur teilweise und der Rest des Geleges verpilzt.
Mein Tip: Errechnen Sie ungefähr die Schlüpfzeit (2-3 Stunden
nach völliger Dunkelheit). Geben Sie aus Sicherheit noch 2 Stunden
dazu und schalten Sie dann für etwa 1 Stunde über die vorbereitete
Schaltuhr das Licht ein. Dadurch wird erreicht, daß für die
Jungen die Nacht ohne Futter nicht zu lang wird; denn gefressen wird bei
diesen Fischen nur bei Licht.
Ein überwältigender Anblick
Spätestens morgens um 7.00 Uhr sollten
Sie dann Gewehr bei Fuß stehen, um für Futtemachschub sorgen
zu können. Ich gehöre, liebe Leser, mit meinen menschlichen Gepflogenheiten
beileibe nicht zu den Frühaufstehern. Jedoch mit der Erwartungshaltung
200, 300 oder gar 400 kleine Anemonenfischchen in Augenschein nehmen zu
können, trieb es mich immer wieder herzklopfend zu früher Zeit
aus dem Bett, noch bevor die eingestellte Lichtschaltuhr ihren Dienst aufnehmen
konnte. Wer diesen Moment jemals genießen durfte weiß, daß
man so einen überwältigenden Anblick von mehreren hundert Jungfischen
nicht beschreiben kann. Dieses einmalige Gefühl und Erlebnis wünsche
ich Ihnen allen, liebe Leser.
Pflege und Versorgung unserer Jungfische
In den folgenden Tagen und Wochen werden
die täglichen Arbeiten zur Routine. Je nach Larvendichte ca. 6 Liter
Plankton täglich zugeben. Jeden Abend mit einem dünnen Luftschlauch
Mulm sowie Futterreste und leider auch tote Fischchen absaugen. Das abgesaugte
Wasser tröpfchenweise mit Altwasser aus dem Elterubecken wieder ersetzen.
Bitte jeden Tag - ohne Ausnahme! Eine wichtige Versorgungs- und Erfolgsmaßnahme
besteht darin, die Planktonkulturen immer auf dem Qualitätshöchststand
zu halten. Meistens ab dem 9. oder 10. Tag wurden von mir bei der Fischfütterung
geringe Mengen frisch geschlüpfte, vitaminisierte Artemien zugegeben.
Sie sollten die Fische genau beobachten. Erst wenn alle Jungfische Artemien
aufnehmen, kann langsam nach und nach das Planktonfutter abgesetzt werden.
Unter größter Sorgfalt müssen die frischen Artemien von
ihren Eischalen getrennt (ausgesiebt) werden. Die Artemia-Kultur dürfte
jedem engagierten Züchter bekannt sein. Junge Amphiprion gehen unweigerlich
an Verstopfung zugrunde, sollten sie versehentlich nicht entfernte Artemia-Eischalen
fressen.
Um den Speiseplan für unsere Kleinen zu erweitern, geben Sie bei
der Fütterung 1 x täglich Staubfutter mit auf die Wasserobeffläche.
Zu diesem Zeitpunkt kann ein kleiner Innenfilter mit Schaumstoffpatrone
eingesetzt werden. Die Fischchen nehmen jetzt auch die Körperfarben
ihrer jeweiligen Art an. Bei Amphiprion ocellaris entsteht das wunderschöne
Orange. Auch zeigen sie schon im freien Wasser stehend ihre charakteristischen
Schaukelbewegungen.
So macht es täglich immer mehr Freude, das Heranwachsen der kleinen
Clowne zu verfolgen. Sind 3-4 Monate vergangen, sollte zu ihrer besseren
Weiterentwicklung der Umzug in ein größeres Aquarium stattfinden.
Anemonen können dann mit Einzug halten, müssen es aber nicht
- obwohl es ein Vergnügen besonderer Art ist, die kleinen ,,Orangeringelchen"
in einer weißen Anemone ,,surfen" zu sehen.
Gönnen Sie sich dieses Erlebnis!
Back to http://www.michael-guddat.de |